Das Lärmfeuer


Wie alles begann

Alles sollte ja nur ein kleines Häuschen werden, in das sich die damaligen Senioren des Hauses Laumann ab und zu für ein paar erholsame Stunden und Tage zurückziehen konnten. So hat die Sache ihren Lauf genommen. Die Bauplatzsuche im Odenwald begann.
Grundstück gefunden.

Wochenendhaus nicht genehmigt. Der Fremdenverkehr muss gefördert werden.
Also...
... stelle mer a Wirtschafdsche druff, find ja eh koaner doa hinne im Ourewald. Im halwe Johr mache mer widder zu, dann hammer unser Heisje.

DENKSTE ! ! !

1967 beginnt der Bau, an vielen Tagen und Wochenenden unter großer Eigenleistung und mit der Hilfe von Familienangehörigen, Freunden, Bekannten und Arbeitskollegen entsteht „des kloane Wirtschafdsche“.

1969 im Winter ist es soweit : Wir, die Familie Beck – drei Kinder zwo Erwachsene und ein Hund – ziehen in den schönen Odenwald um. Was sich durchaus gut anhört, jedoch unter einem Schneestern stand. Denn dank gewaltiger Schneemassen mussten Möbelteile und Gepäckstücke zum Teil mit Schlitten zu unserem neuen Zuhause transportiert werden.

Aber : Wir habens geschafft und werden noch Vieles schaffen.

 DER GROSSE TAG

Es ist soweit : In einer kleinen Feierstunde mit Vertretern von Kreis und Presse wird am

10. April 1970 das Gasthaus – Pension „Lärmfeuer“, bestehend aus zwei Gasträumen, einer Freiterrasse und zirka zwölf Gästebetten offiziell eröffnet.

Die Trinkgelder, die an dem Tag eingenomme,
dann teilweise em Jockel zugekomme,
ein paar Mark nur, ich weiß es vom Hörensagen,
man konnte ja keinen großen Sprünge wagen.

Noch eine kleine Anmerkung zur Namensgebung : Eigentlich hatte zu dieser Zeit unser Haus zwei Namen. Laut Gästehandtücher, die unsere Mutter anfertigen ließ, hieß es „Hotel Oberdorf“. Das Reklameschild, vom Vater in Auftrag gegeben, trug den Namen „Zum Lärmfeuer“, der sich dann auch durchsetzte.

Eine schwere Zeit steht bevor

Ohne Hilfe von Personal galt es die schwere und überaus arbeitsreiche Anfangsphase zu überstehen.
Zu den ersten Pensionsgästen gehörte die Familie Zurmühlen, geschickt von Herrn Krämer aus Reichelsheim.
Und welch ein Segen, nach ein paar Wochen konnten unsere Eltern die ersten Scheine zählen. Da unser Vater zu dieser Zeit noch täglich nach Dieburg zu seiner Dienststelle fuhr, war unsere Mutter mit der Betreuung von drei kleinen Kindern, der Küche mit Kochen, Waschen und Spülen, der Gästebetreuung, trotz der Anstrengungen immer lächelnd und stets hilfsbereit, dem Betten machen, Frühstück bereitstellen, dem Bedienen der Gäste und nicht zuletzt mit dem ganzen Putzen und Sauberhalten der Gasträume, den Bergen von zu waschender Wäsche, auf sich gestellt.
Nach Dienstschluss kam ihr Mann dazu und stand ihr beim allabendlichen Service bei, der trotz später Nachtruhe auch auf schöne Erinnerungen, gesellig gestaltet mit Musik und Gesang, zurückblicken lässt.

Oft hat unsere Mutter von dieser Zeit erzählt.

So wurden Gäste Montags wieder nach Hause geschickt, weil am Sonntag alles ausverkauft war. Oder musste der Kuchen ofenfrisch verkauft werden, da sie mit dem Backen nicht nachkam. Oder musste der Vater unterwegs neue Socken und Unterhosen kaufen, weil die Alten noch nicht gewaschen waren.

Man könnte hier ewig so weiter machen, es gäbe noch viel zu erzählen.

Aber wir habens geschafft und werden noch Vieles schaffen.

ES WIRD ETWAS BESSER

Dann wurde nach Messel telegrafiert,
die Rita schafft die viele Arbeit nicht,
isst nichts mehr, trinkt nur noch Kaffee und raucht Kette;
nur die Oma kann hier noch rette.

Ihre Eltern müssen her und so kommen Oma und Opa doch noch zu ihrem Häusje, allerdings nicht zum Ausruhen. Gemeinsam packen die vier es an. Es gibt sehr viel zu tun.

Es geht etwas aufwärts, nach einiger Zeit wird das erste Personal eingestellt, selbst der Nachwuchs von Frau Sattler und Christina wird in die Küche gestellt. Zwischen dem Bedienen werden nun auch Windeln gewechselt und Kinder gestillt.

Die Claudia von der Helma immer an Mamas Rockzipfel hing,
wenn diese zum Bedienen ging.

Die Gäste, die den Weg eh net finne, kommen zahlreich zum Essen, die Pensionszimmer sind gut belegt mit sehr netten Gästen, die teilweise in der Küche das Geschirr spülen, die Kinder baden und ins Bett bringen und ihnen Geschichten erzählen. Und viele gesellige Abende im Kreise der Gästeschar und den Besitzern runden die Sache ab.

Auch jetzt ist das Essen Montags noch manchmal knapp und die eine oder andere Bedienung muss schnell mal unter Mittag beim Riebels Heiner unter den Augen sämtlicher Gäste ein paar Köpfe Salat stechen.

Oder bei Hannesse wird mal Brot ausgeliehen,

bei der Anna im Gadde Petersilie gerobbt,

bei Dingeldeins e paar Eier geholt oder

die Greta muss Puddingpulver und Haselnüsse mitbringen.

Aber : Wir habens geschafft und werden noch Vieles schaffen.

ES GEHT WEITER

Alles hat sich eingespielt, die Arbeit wird immer mehr und da die Helma lieber mit dem Karlche ausgeht, als zu bedienen, und die Kinder auch gerne mal von der Mama ins Bett gebracht werden wollen, beschließt man, abends zu zu machen. Ab jetzt heißt es :

Dienstags Ruhetag und täglich ab 18 Uhr geschlossen.

Um die flaue Winterzeit zu überbrücken, wird an den Anbau einer Kegelbahn gedacht, durch die die Zimmer an den Wochenenden mit Kegelclubs belegt werden sollen. 1973 ist auch dieser Bau fertig gestellt.

Und wie erwartet sind die Wochenenden seit dieser Zeit immer belegt. Und die Familie zieht von der schönen Wohnung unterm Dach in den schnell umgebauten Keller. Tauscht herrliches Panorama gegen feuchte Kellerwände, um für die Kegler noch mehr Zimmer zur Verfügung stellen zu können. Da unsere Mutter manchmal eine Belegung von 200% zu Stande bringt, musste die Familie auch schon mal ins Wohnzimmer umziehen, um dann den Boden mit fünf Mann zu belagern,

Die Zahl der Betten wird zu dieser Zeit mit zirka 20 angegeben.

Da wir Kinder nun langsam größer geworden sind, dürfen wir jetzt weiße Schürzchen anziehen und nachmittags während dem Erledigen der Hausaufgaben die Kaffeegäste bedienen.

Stefanie und Sabine wechseln sich an den Wochenenden mit dem Betreuen der Kegelclubs ab und wissen nun auch bald, wie es ist, erst morgens ins bett zu kommen und sonntags wieder ihren Mann zu stehen.

Durch das Großwerden der Kinder ist es wieder etwas leichter geworden, dennoch, ohne die vielgelobte gute Seele des Betriebes, wären wir alle nicht so weit gekommen.

Aber : Wir habens geschafft und werden noch Vieles schaffen.

DAS NÄCHSTE KAPITEL BEGINNT

Da das Geschäft gut läuft, die Plätze nicht ausreichen, die Zimmer ständig ausgebucht sind, beschließt unser Vater – der halt gerne Häusle baut – die erste Erweiterung des Hauses in Betracht zu ziehen und später in die Tat umzusetzen.

1977 können die ersten Zimmer belegt werden, nachdem man sie schon zu einem früheren Zeitpunkt verbucht hatte und allen Gästen wieder absagen musste, da die Handwerker nicht richtig geplant hatten.

Die neuen Zimmer sind alle mit Dusche und WC ausgestattet und somit auf dem neuesten Stand.
Die Bettenzahl erhöht sich auf 30.

Ein neuer Gastraum mit 75 Plätzen und ein Fernsehraum, auch mit 20 Personen zu besetzen, kommen dazu.

Die Kinder beginnen nacheinander ihre Ausbildung und bleiben – wie sollte es auch anders sein – alle im Hotelfach.

Der Stefan lernt im Schwarzwald und wie soll es anders kommen,
der Holger aus Büttelborn, der auch dort lernt, wird für die Nani mitgenommen.
Auch die Älteste saß nicht untätig da, aus Hans und ihr wurde auch ein Paar.
Der Herr Sohn hat sich zu dieser Zeit die Cordula genommen
Und so sind sie vorübergehend mit sechs Mann nach Hause gekommen.
Die Buwe hawwe gekocht,die Mädschen bedient
Und die Eltern hatten darauf zu achten, dass nichts Unanständiges geschieht.
Die Feuerwehrmänner, wie die drei Köche sich nannten,
konnten sonntags im Stress ganz gut tanken.

Hier sei anzumerken, dass an den Tagen, an denen der Oberfeuerwehrmann Jockel Keller Thekendienst hatte, der Löschzug niemals leer wurde.

Schaut man zurück, war es eine schöne, spaßige Zeit und wir alle hatten trotz der vielen Arbeit auch sehr viel Freude.

Unser Vater hat in der zurückliegenden Zeit die alten Fremdenzimmer renoviert und somit dem Neubau angepasst.

Auch Gasträume, Terrasse, Küche und Keller werden ständig erneuert. So werden in den Betriebsferien im November 1984 das Jägerzimmer und die alte Wirtschaft, sowie der jetzige Kachelofenraum, der vorher ja nur ein Durchgang zwischen Alt – und Neubau war, vollständig renoviert, und der neue Kachelofen wird zum Blickfang des Hauses.

Ab jetzt gibt es auch Bier vom Fass.

Aber die Zeiten ändern sich. Hans und Sabine heiraten und ziehen aus.
Stefanie und Holger wollen in der Ferne ihr Glück versuchen.
Stefan bekam Magengeschwüre, weil Cordula in den Schwarzwald zurück musste.
Die Eltern schauten den weiteren Entwicklungen wohl mit gemischten Gefühlen entgegen. 

Aber : Wir habens geschafft und werden noch Vieles schaffen.

 

Der Stefan wird nun zum Bund abgestellt.
Holger und Nani erkunden immer noch die Welt.
Und bei Srokas meldet sich der erste Nachwuchs an.
Schlechte Zeiten – Personal muss ran. 

Die Ära der Lehrlinge beginnt mit Angelika.

Nachdem unsere Mutter vorher nur eine Sondergenehmigung zur Ausbildung ihrer Töchter hatte, dürfen ab 1985 nach einem Beschluss der IHK in Zukunft Fachgehilfinnen im Gastgewerbe offiziell von Frau Rita Beck ausgebildet werden. 

Die Zeit vergeht, es geht immer so weiter, mal heiter, mal wolkig, mal stürmisch und so weiter...

Unser Vater, der ja schon im Herbst 1982 als Rentner von der Post heimgekommen. Hat seitdem das Puddingkochen und Klößformen übernommen. An der Spülmaschine ist er der absolute Meister, fragen ihn die Gäste, ist er der Gärtner oder der Hausmeister.

Thea und Augustin sind jeden Sonntag zum Kinderhüten angestellt,
denn zu Julia hat sich 1986 Johannes gesellt.
Die Nani wird 1989 verheiratet und nach Büttelborn abgestellt.
Der Hans macht 1986 seinen Küchenmeister.
Mama und Oma sind auch weiterhin die unersetzbaren guten Geister.
Die Arbeit bleibt stressig, die Nerven liegen blank,
unser Vater sitzt in Bad Füssing nach einem heftigen Zank. 

Aber : Wir habens geschafft und werden noch Vieles schaffen.

DAS VORERST LETZTE KAPITEL BEGINNT

Der Stefan kommt von der Bundeswehr heim, doch es wird nicht viel leichter, denn mit uns sind die Ansprüche der Gäste gewachsen. Zwei Küchenfachmänner tüfteln an neueun Gerichten herum. Das großartige Silvestermenü und auch die Menüs zu zahlreichen Familienfeiern machen die Runde, die Becks sind nun in aller Munde.

 

Dann kommt ein Sommer und wie solls anders sein,
mit dem Sonnenschein kam auch die Isabella ins Heim.
Stefan ist auf Anhieb verknallt,
die lass ich net mehr fort, die bleibt im Ourewald.
Und wieder steht ein Umbau an,
denn die beiden heiraten dann. 

Das Dachgeschoss wird ausgebaut, um Wohnraum für die neue Familie zu schaffen.

Das Leben geht weiter und man plant dann,
wie man das Geschäft aufteilen kann.
Eine „Gesellschaft bürgerlichen Rechts“ wird daraus,
und die zweite Generation Chefs ist im Haus.
Und so geht es weiter, mal auf und mal ab,
fünf Enkelkinder und der ganze Betrieb halten uns bis heute auf Trab.

Ein großer und voraussichtlich letzter Anbau wird geplant.
Denn eine Wohnung für die Eltern muss her,
im Keller wohnen will man nicht mehr. 

Vom ersten Spatenstich im Januar 1993 bis zur Fertigstellung der neuen Fremdenzimmer und der Wohnung sind noch einmal alle Kräfte gefordert. 

Und zu dieser Zeit ist es auch mit der Gesundheit einiger Familienangehöriger nicht zun besten gestellt.

Im März 1994 ziehen die ersten Gäste in den neuen Anbau ein, und auch die Eltern können ihr neues Domizil in Beschlag nehmen und das neugewonnene Panorama hoffentlich noch lange genießen.

Der aktuelle Bettenstand zum jetzigen Zeitpunkt : 38 Betten in 17 Doppel – und 4 Einzelzimmern.

Und wieder habens wir geschafft und werden noch Vieles schaffen.

Dies war eine Zusammenstellung der letzten 25 Jahre, ihr wisst sicher, dass man hier nicht alle Geschehnisse anführen konnte, denn dann würden wir morgen noch sitzen.

Stand : April 1995

Weiter geht es beim nächsten Jubiläum...